Vice VersaDie Wechselseitige Bedingtheit Von Stadt & Land Im Raum «Dazwischen»Nadine Willems
Es gibt die Stadt. Es gibt das Land. Und dann gibt es noch einen Raum «dazwischen» der oftmals einer großen Undefiniertheit unterliegt und von einer gewissen Konzeptlosigkeit geprägt ist. Orte, die wir nicht (mehr) als Dorf und (noch) nicht als Stadt bezeichnen möchten (Henkel 2004). Die Faszination dieser Räume liegt gerade darin, dass sie sich wie ein Bild aus unzähligen regionalen und lokalen Mosaiksteinchen zusammensetzen, die eine Vielfalt an Farben und Kontrasten vereinen. Diese Bestandteile verändern sich kontinuierlich, ebenso wie ihre Beziehungen zueinander, wodurch immer wieder neue Gesamtbilder entstehen. Diese diffusen Zonen der Raumüberwindung können als Möglichkeitsraum gelesen werden, in denen neue Formen von Urbanität und Ruralität entstehen können, denn die Begriffe Stadt und Land verweisen aufeinander: „Ohne das Land als Gegenbild, kann von der Stadt nicht gesprochen werden und vice versa.“ (Gestring 2013).
Der Raum «dazwischen» entwickelt seine eigene Sprache – eine, die weder rein städtisch noch rein ländlich ist, sondern zwischen den Zeilen geschrieben wird. Indem er Qualitäten beider Seiten aufnimmt, überlagert und neu interpretiert, entstehen neue «Zwischenqualitäten», die weder Kopie noch Kompromiss sind. Diese «Zwischenräume» formulieren ihre eigene Sprache nicht durch das Entweder-Oder, sondern durch das Sowohl-als-Auch – sie erzählen von einer neuen Form des Aufeinandertreffens von Siedlungsrand und Landschaft, einer anderen Lesbarkeit von Raum. Es ist eine Sprache der Übergänge, der hybriden Rhythmen und mehrdeutigen Bilder.


















